81. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
81. Nacht“Gott war von meiner Verzweiflung gerührt: In dem Augenblick, in welchem ich mich ins Meer stürzen wollte, erblickte ich in ziemlicher Entfernung vom Ufer ein Schiff. Ich schrie aus Leibeskräften, um mich hörbar zu machen und ließ die Leinwand meines Turbans wehen, damit man mich bemerken sollte. Das war nicht unnütz, die ganze Mannschaft gewahrte mich und der Schiffshauptmann schickte mir das Boot. Als ich an Bord war, fragte mich der Hauptmann und die Matrosen mit vielem Eifer, welches Abenteuer mich auf diese wüste Insel geführt hätte, und als ich ihnen erzählt hatte, was mir begegnet war, sagten mir die ältesten, dass sie mehrmals hätten von Riesen erzählen hören, welche diese Inseln bewohnten, dass man sie versichert hätte, es wären Menschenfresser und sie verzehrten die Menschen sowohl roh als gebraten. In Betreff der Schlangen, setzten sie hinzu, dass sie im Überfluss auf dieser Insel wären, dass sie sich bei Tage verbergen und nur des Nachts zum Vorschein kämen. Nachdem sie mir zu erkennen gegeben hatten, wie sehr sie sich freuten, mich so vielen Gefahren entgangen zu sehen, so beeilten sie sich, da sie nicht zweifelten, dass mich hungerte, mich mit dem Besten, was vorrätig war, zu bewirten, und der Hauptmann, da er sah, dass meine Kleidungsstücke ganz zerlumpt waren, hatte die Großmut, mir einen von seinen Anzügen geben zu lassen. Wir durchschifften einige Zeit das Meer, berührten mehrere Inseln und landeten endlich auf der Insel Selahath, von woher man das Sandelholz bezieht. Wir fuhren in den Hafen und ankerten dort. Die Kaufleute fingen an, ihre Waren auszuladen, um sie zu verkaufen oder zu vertauschen. Während dies geschah, rief der Schiffshauptmann mich zu sich und sagte zu mir: “Bruder, ich habe in meiner Verwahrung Waren, welche einem Kaufmann gehören, der einige Zeit auf meinem Schiff gereist ist. Da dieser Kaufmann nicht mehr lebt, so verhandle ich sie, um seinen Erben Rechnung abzulegen, wenn ich einen von diesen treffe.” Die Ballen, die er meinte, waren schon auf dem Verdeck. Er zeigte sie mir und sagte: “Dies hier sind die bewussten Waren, ich hoffe, dass ihr so gut sein und die Last übernehmen werdet, sie zu verhandeln. Ihr sollt dann für eure Bemühungen den gebührenden Lohn empfangen.” Ich willigte darin ein und dankte ihm dafür, dass er mir Gelegenheit verschaffte, nicht untätig zu bleiben. Der Schiffsschreiber verzeichnete alle Ballen nebst den Namen der Kaufleute, welchen sie gehörten. Da er den Hauptmann fragte, wie er denn diejenigen, mit welchen er mich eben beauftragt hatte, eintragen sollte, erwiderte ihm jener: “Tragt sie unter dem Namen Sindbads des Seefahrers ein.” Ich konnte mich nicht ohne Bewegung nennen hören, und als ich den Hauptmann näher ins Gesicht fasste, erkannte ich ihn für den, der mich während meiner zweiten Reise auf der wüsten Insel, als ich am Ufer des Baches eingeschlafen war, verlassen hatte und wieder unter Segel gegangen war, ohne mich zu erwarten, oder suchen zu lassen. Ich hatte ihn nicht sogleich erkannt, weil seine Person sich seit unserer Trennung sehr verändert hatte. Dass er, der mich für tot hielt, mich nicht erkannte, ist nicht zu verwundern. “Hauptmann,” sagte ich zu ihm, “nannte sich der Kaufmann, dem die Ballen gehörten, Sindbad?” – “Ja,” entgegnete er, “so nannte er sich, er war aus Bagdad und hatte sich in Balsora auf meinem Fahrzeug eingeschifft. Als wir eines Tages an einer Insel ans Land stiegen, um Wasser zu schöpfen und einige Erfrischungen einzunehmen, ging ich, – ich weiß selbst nicht mehr, aus welchem Irrtum – wieder unter Segel, ohne darauf zu achten, dass er sich nicht mit den anderen eingeschifft hatte. Wir hatten guten und so frischen Wind, dass es uns unmöglich war, dass Schiff umzuwenden, um ihn abzuholen.” – “Ihr haltet ihn also für tot?” fragte ich. “Ganz gewiss,” versetzte er. “Wohlan, Hauptmann,” entgegnete ich, “öffnet die Augen und erkennt jenen Sindbad, den ihr auf der wüsten Insel gelassen habt. Ich schlief am Ufer eines Baches ein, und als ich erwachte, sah ich von der Mannschaft niemand mehr.” Bei diesen Worten betrachtete mich der Hauptmann genau … Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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