749. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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749. Nacht

Alle Kennzeichen, welche er ihm angab, ließen Attaf nicht länger zweifeln, dass er seine eigene Frau gesehen hätte, welche ein von dem Palast abgesondertes Sommerhaus bewohnte. Aber durchdrungen von edelmütiger Hingebung säumte er nicht, den Wesir zu trösten, und sagte ihm, er kenne die Frau, in welche Giafar verliebt wäre, und diese Frau wäre jetzt eben von ihrem Mann verstoßen worden. Er fügte hinzu, er würde sogleich sein Mögliches tun, dass der Vater sie nicht an einen andern verheiratete, und verließ Giafar, mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen und ihm Bescheid von dem Erfolg seiner Werbung für ihn zu bringen.

Er begab sich unverzüglich nach der Wohnung seiner Frau. Sie empfing ihn umso herzlicher, als er seit Giafars Ankunft von ihr getrennt lebte. Attaf sagte zu ihr, er käme, sie zu benachrichtigen, dass ihre Mutter sehr krank wäre, und sie sobald als möglich bei sich zu sehen wünschte.

Diese Neuigkeit erschreckte die junge Frau sehr, und sie eilte, sich zu ihrer Mutter zu begeben, war aber sehr verwundert, zu sehen, dass diese die erste war, welche ihr in dem väterlichen Haus entgegen trat. Sie fragte sie, ob sie krank gewesen, und diese versicherte ihr, sie wäre gar nicht unwohl gewesen, dann befragte sie auch ihren Vater, der ihr ebenfalls versicherte, er hätte ihren Mann heute noch nicht gesehen.

Während dieser Erklärung hörte man an die Tür klopfen. Lastträger traten herein, und sagten, sie kämen von Attaf, und brächten die Kleider seiner Frau.

Dieser Auftrag versetzte die Familie in die größte Bestürzung, und schon hatte der Vater den schmählichsten Verdacht auf seine Tochter geworfen, welchem die Mutter abzuwenden strebte, als Attaf selber mit mehreren Freunden eintrat.

Sein Schwiegervater fragte ihn um die Ursache seines Betragens, und er antwortete ihm, er hätte durchaus keine Ursache, mit seiner Tochter unzufrieden zu sein, aber die Unvorsichtigkeit begangen, ein Gelübde zu tun, dass er sie verstoßen wollte. Hierauf konnte er seine Tränen nicht zurückhalten, indem er sich von einer geliebten Gattin trennte, und ihr die Morgengabe und die Verstoßungsurkunde einhändigte.

Nachdem dies geschehen war, kehrte er in seinen Palast zu Giafar zurück, und sprach zu ihm: “Ihr könnt jetzt ganz ruhig sein: Seid versichert, dass die, welche ihr liebt, Euch nicht entgehen wird. Ich habe alles aufs beste eingeleitet: Sucht nur, Euch zu zerstreuen und verbannt allen Kummer, bis es so weit ist, dass ihr sie heiraten könnt.”

Diese Zusicherung machte den Wesir auf der Stelle wieder gesund. Er dankte seinem Wirt für den ihm geleisteten Dienst, und dachte nur noch darauf, sich zu ergötzen. Attaf verdoppelte jeden Tag seine Aufmerksamkeit für ihn, um ihn mit Geduld den Augenblick abzuwarten zu lassen, wo er sich mit seiner Geliebten vermählen konnte.

Als diese Zeit gekommen war, riet er Giafar, sich nach einer benachbarten Stadt zu begeben, dort seine Verkleidung abzulegen, und hierauf seinen Einzug in Damask, mit allem seinem Rang geziemenden Glanz, zu halten.

“Ihr müsst,” sagte er zu ihm, “unserm Statthalter ankündigen lassen, ihr werdet, auf Befehl des Kalifen, Syrien bereisen: Und er wird Euch die gebührenden Ehren erweisen, indem er vor der Stadt Zelte aufschlagen lässt und Euch entgegen kommt. Hierauf könnt ihr um diejenige werben, die ihr liebt, und dürft versichert sein, sie zu erhalten. nach Eurer Vermählung kehrt ihr dann, im Besitz des Gegenstandes Eurer Wünsche, heim nach Bagdad.”

Der Großwesir befolgte diesen Rat: Nachdem er sich von Damask entfernt hatte, schickte er zwanzig Eilboten nach dieser Stadt, um dem Statthalter anzukündigen, dass er die Hauptstadt von Syrien zu besuchen käme.

Abdel-Malek-Ebn-Merwan, welcher damals Statthalter war, kam mit allen Behörden von Damask dem Minister eine halbe Tagesreise weit entgegen, und empfing ihn unter den dazu aufgeschlagenen Zelten, wo ein prächtiges Mahl bereitet war. Die ganze Bevölkerung von Damask, war dem Wesir entgegen gegangen, und der Tag seines Einzuges war ein Festtag für die Einwohner.

Seine erste Sorge war nun, nach dem Vater derjenigen zu senden, in die er verliebt war: Er sagte zu ihm, er hätte die Schönheit und den Verstand seiner Tochter so rühmen gehört, dass er sie zur Gemahlin zu erhalten wünschte. Der Vater, geschmeichelt, dass der Großwesir eine Verbindung mit ihm suchte, erklärte sich sogleich bereit, sie ihm zu bewilligen. Der Statthalter von Damask wollte dem Großwesir den Hof machen, und erbot sich, die Morgengabe der Neuvermählten zu übernehmen, und der Vater erwiderte, er hätte sie schon empfangen. Giafar eröffnete seinem Schwiegervater, dass er am folgenden Tag wieder abreisen würde und seine neue Gemahlin mitzunehmen wünschte, sie müsste sich also bereit halten, ihm zu folgen.

Der Vater eilte nun nach Hause, und verkündigte seiner Tochter die glänzende Verbindung, welche er für sie eingegangen war. Aber die verstoßene Frau, obwohl den Befehlen ihres Vaters gehorsam, war weit entfernt, seine Freude zu teilen.

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