737. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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737. Nacht

Jussuf wandte alle übrige Zeit, die er noch zu Dschidda blieb, dazu an, einen Teil von dem Schatz des Greises in Waren umzusetzen und sie an Bord eines nach Indien bestimmten Schiffes bringen zu lassen. Als alle Vorbereitungen vollendet waren, nahm Jussuf Abschied von seiner Frau, das Schiff ging unter Segel, und nach einer glücklichen Überfahrt brachte es ihn in einen Hafen von Indostan.

Dies war der Wohnort des Greises. Beim Eintritt in sein Haus war Jussuf erstaunt über den Umfang seiner Warenlager, die Reichheit seines Hausgerätes und die Pracht, welche überall herrschte. Er vernahm, dass der alte indische Kaufmann der angesehenste Mann der Stadt war und eines umso größeren Zutrauens genoss, als er Obmann der Kaufleute war.

Jussuf sah sich durch das Vertrauen dieses ehrwürdigen Mannes auf einmal an die Spitze seines Hauses gestellt. Aber sein Wohltäter beschränkte hierauf noch nicht seine Großmut. Der junge Kaufmann hatte kaum einen Monat lang dem Haus des Greises vorgestanden, als dieser ihm seine einzige Tochter zur Frau anbot, und damit er hierdurch nicht die Eifersucht der übrigen Kaufleute erregte, so riet er Jussuf, sich gerade an diese zu wenden, dass sie für ihn um seine Tochter bäten. Diese Wendung gelang vollkommen. Der Greis machte keine Schwierigkeit, zu bewilligen, was er von ganzem Herzen wünschte. Der Kadi wurde gerufen, welcher den Heiratsvertrag aufsetze, und noch denselben Tag wurde die Hochzeit mit großer Pracht gefeiert. Bei dieser Gelegenheit wurden den Armen reichliche Almosen gespendet, und die Kosten des Festes beliefen sich fast auf hunderttausend Zechinen. Von nun an gelangte Jussuf in den Besitz aller Habe seines Schwiegervaters, der ihm durch seine Erfahrung in allen Handelsunternehmungen half, welche er begann.

Ein Jahr nach der Vermählung brachte Jussufs Gattin einen Sohn zur Welt, und dieses glückliche Ereignis vollendete die Glückseligkeit des jungen Kaufmanns, welcher sah, dass jedermann sich über sein Glück freute.

Indessen trübte ein trauriger Vorfall diese Freude: Der indische Greis starb, nachdem er drei Tage in einem Todesschlaf gelegen hatte. Einige Augenblicke vor seinem Abscheiden sprach er also zu Jussuf, der ihm unausgesetzt seine Pflege gewidmet hatte:

“Mein Sohn, in dem Augenblick, da ein Übel, welches mir keine Hoffnung mehr zur Genesung lässt, meiner Laufbahn ein Ziel setzen will, ist es Zeit, Dir ein Geheimnis zu enthüllen, welches ich Dir bisher verborgen habe. Du erinnerst Dich ohne Zweifel jenes Greises, welcher Dich von Sues mit nach Dschidda nahm. Ebenso wenig wirst Du des Greises vergessen haben, dem Du so gewissenhaft die gefundene Börse wiedergabst. Du siehst in mir diese beiden Personen. Ich hatte Deine Sanftmütigkeit und Liebenswürdigkeit schätzen gelernt, ich wollte auch Deine Redlichkeit und Aufrichtigkeit prüfen: Ich war zufrieden mit meinen Proben, und von Stund an fasste ich den Entschluss, Dich mit dem zu verbinden, was mir das Teuerste auf der Welt ist, und Dich als meinen Sohn anzunehmen. Meine Wünsche sind erfüllt: Ich verlasse Dich als den Gatten meiner Tochter. Erzeige ihr alle die Achtung, welche sie verdient, weil ich ihr Glück Dir anvertraut habe. Du selber lebe glücklich und sei bedacht, stets diese Mäßigung der Begierden und diese Uneigennützigkeit zu bewahren, welche die Quelle Deines Glückes geworden sind.”

Mit diesen Worten verschied der Greis. Seine Kinder stellten ihm eine prächtige Leichenfeier an.

Da Jussuf durch nichts mehr in Indien zurückgehalten wurde, so schlug er seiner Gattin vor, ihm in sein Vaterland zu folgen. Sie willigte darein, und nachdem beide alle ihre Besitztümer verkauft hatten, begaben sie sich nach Dschidda, wo Jussuf seine zweite Frau wieder zu finden gedachte.

Bei seiner Ankunft in dieser Stadt vernahm er aber, dass sie während seiner Abwesenheit gestorben war und ihm ihr ganzes ansehnliches Vermögen hinterlassen hatte. Er setzte dieses auch in Waren um, mit denen er noch mehrere andere Schiffe befrachtete.

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