679. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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679. Nacht

Da erinnerten sie sich der Verkündigung des Geistes, welcher des Prinzen Lehrer gewesen war, und dachten wohl, dass die Unfälle, mit welchen er sie bedroht hatte, durch Dorrat-al-Gawas sollten veranlasst werden. In dieser Meinung taten sie alles mögliche, um den jungen Prinzen von seinem Vorsatz, Dorrat-al-Gawas wieder aufzusuchen, abzubringen. Aber alles, was sie ihm sagen mochten, war fruchtlos. Vergebens stellte sein Vater ihm alle Gefahren der beabsichtigten Unternehmung vor, vergebens erbot er sich, nach allen Seiten erfahrene Ritter zur Aufsuchung der Königin der Geister auszusenden.

Nichts vermochte die Standhaftigkeit des jungen Habib zu erschüttern, welchen die Aussicht des Todes selbst nicht abschreckte: Er bat seinen Vater, ihm Kamele, Reisezeug, ein angemessenes Gefolge und Geschenke für seine Herrin mitzugeben. Er hieß ihn alle Besorgnisse verbannen und machte sich mit seiner Karawane auf den Weg.

Er hatte ein Gefolge von zwanzig der unerschrockensten Ritter seines Stammes, trug einen trefflichen Panzer und ritt den schönsten Renner Arabiens. Als Habib so auf dem Weg war, fühlte er eine große Linderung seines Schmerzes und hub an, vor seinen Gefährten Verse auszusprechen, welche seine Liebe und seine Ungeduld schilderten, bald wieder mit dem Gegenstand seiner Wünsche vereinigt zu sein.

Die Ritter, welche der Emir Salama zur Begleitung seines Sohnes erwählt, hatten sich den Befehlen ihres Fürsten nicht entziehen und sich nicht weigern können, Habib zu folgen; aber sie waren alle eifersüchtig auf die zahlreichen Siege, welche dieser junge Mann davongetragen hatte, und ihr niedriger Neid trieb sie so weit, dass sie den Anschlag fassten, ihn im Schlaf zu ermorden. Einer der Verwegensten übernahm es, dem Prinzen ein Schlafpulver ins Getränk zu mischen, und nur zu wohl gelang dieser höllische Anschlag.

Die Karawane kam eines Abends in ein reizendes Tal, wo alles zum Ausruhen einlud. Als die Zelte aufgeschlagen waren, entledigte sich derjenige, der die Ausführung des Anschlags übernommen hatte, seines scheußlichen Auftrags. Der Prinz spürte bald die Wirkungen des Trankes, welchen man ihm eingegeben hatte. Er fühlte anfangs einen heftigen Kopfschmerz und versank endlich in tiefen Schlaf.

Als die Ritter den Prinzen eingeschlafen sahen, beratschlagten sie sich, was sie nun mit ihm anfangen sollten. Einige waren der Meinung, man sollte ihn ermorden; aber die übrigen waren menschlicher, sie schauderten vor der Bluttat zurück und stimmten der Meinung eines unter ihnen bei, welcher, um das Leben des Prinzen zu retten, ihnen vorschlug, ihn in der Wüste allein zu lassen, welche das Tal umgab.

“Warum,” sprach dieser würdige Ritter zu ihnen, “sollten wir uns ohne Not eines Mordes schuldig machen? Wenn wir den Prinzen hier verlassen und sorgfältig alles von ihm entfernen, was ihm behilflich sein könnte, seine Weg fortzusetzen, so ist es durchaus unmöglich, dass er, in einer Wüste und jeglicher Hilfe beraubt, dem Tod entgehe. Ihr seht ihn gegenwärtig fest eingeschlafen, und vielleicht ist er schon in den ewigen Schlaf versunken; aber auch angenommen, dass er wieder erwacht, wenn wir ihn hier verlassen und alle Pferde und Kamele mitnehmen, so ist sein Tod unvermeidlich.”

Diese Rede machte einen starken Eindruck auf die Ritter: Sie begnügten sich also, dem Prinzen sein Ross und seine Waffen zu nehmen und alles von ihm zu entfernen, was zu seiner Erhaltung hätte dienen können. Alsdann kehrten sie auf demselben Weg zurück, den sie gekommen waren, um dem alten Salama über das Verschwinden ihres jungen Herrn ein Märchen zu erzählen.

“Wenn der Emir Salama,” sprachen sie unter sich, “uns nach seinem Sohn fragt, so können wir ihn leicht überreden, dass Habib, erschöpft von den Anstrengungen der Reise, gestorben ist, und dass wir alles getan haben, was wir vermochten, um sein Leben zu retten, dass aber alle unsere Bemühungen fruchtlos gewesen sind. Wenn er seine Verwunderung äußert, dass wir den Leichnam nicht zurückbringen, so wird die ungeheure Hitze der Wüste und die Furcht vor der Verwesung uns zur Entschuldigung dienen.”

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