599. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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599. Nacht

Es muss hier erwähnt werden, dass die vom Fischer in der Kiste gekaufte Frau die Lieblingin des Sultans war, der ihretwegen alle seine anderen Weiber verließ, welche nun neidisch wurden; aber die Sultanin, welche vor der Ankunft Kut-al-Kulubs (denn so hieß sie) im Harem den Vorrang gehabt hatte, war aufgebrachter als die übrigen und beschloss, ihre Entfernung zu bewirken. Es fand sich dazu für sie bald eine günstige Gelegenheit, da der Sultan eine Jagdreise von zwanzig Tagen unternahm. Einen oder zwei Tage nach seiner Abreise lud die Sultanin Kut-al-Kulub zu einem Festmahl ein, bei welchem sie ihr mit einem Schlaftrunk gemischten Sorbet zu trinken gab. Die beabsichtigte Wirkung erfolgte augenblicklich, die Sultanin legte die fest Entschlafene in eine Kiste und übergab sie einem Makler, der sie für hundert Dinare verkaufen sollte, wobei sie die Hoffnung hegte, dass jeder Käufer von den Reizen Kut-al-Kulubs so bezaubert würde, um sein Glück im geheimen zu genießen, und dass sie so, ohne einen Meuchelmord zu begehen, eine Nebenbuhlerin los würde.

Als der Sultan von seiner Jagd heimkehrte, fragte er gleich bei seinem Eintritt in den Palast nach seiner Lieblingin, worauf die Sultanin mit verstellter Betrübnis sagte: “Ach, Herr, die schöne und zärtliche Kut-al-Kulub vermochte die Qualen der Trennung von Dir nicht zu ertragen. Drei Tage nach Deiner Abreise erkrankte sie, und nachdem sie sieben Tage lang geschmachtet hatte, wurde sie in die Gnade des Schöpfers aufgenommen.” Der Sultan verfiel, als er dies vernahm, in heftige Verzweiflung und rief aus: “Nur bei Gott ist Hilfe, von Gott kamen wir, und zu Gott müssen wir zurückkehren!” Er war voll Betrübnis und brachte die ganze Nacht in Schwermut zu. Am Morgen ließ er seinen Wesir rufen und befahl ihm, am Ufer des Flusses eine passende Stelle zur Errichtung eines Gebäudes aufzusuchen, in welchem er zurückgezogen leben und seiner geleibten Kut-al-Kulub gedenken könnte.

Der Wesir erwiderte: “Dein Wille ist mir Gesetz!” und suchte eine angenehme Stelle aus, auf welcher nach seinem Befehl ein Baumeister einen Raum von hundert Fuß Länge und siebzig Fuß Breite für das verlangte Gebäude abstecken sollte. Das nötige Bauzeug, Marmor und andere Steine wurden schnell zugeführt, und der Bau, über welchen der Minister selber zwei Tage lang die Aufsicht führte, begann. Am dritten kam der Sultan, um den Fortschritt des Baues zu sehen. Er war mit dem Plan zufrieden und fand ihn sehr schön, aber solch ein Gebäude nur wert, der Aufenthalt Kut-al-Kulubs zu sein, worauf er bitterlich weinte. Der Wesir sagte, als er den Sultan so betrübt sah: “Herr! Gedenke der Worte des Weisen: Sei mäßig im Glück und im Unglück geduldig.”

Der Sultan versetzte: “Es ist wahr, o Wesir, dass Entsagung preiswürdig und Ungeduld tadelnswert ist, denn ein Dichter hat richtig gesagt: “Sei ruhig im Missgeschick, denn nur Ruhe kann Dich der Gefahr entziehen. Oft folgt der Betrübnis Freude und auf Unruhe Ruhe.” – Aber ach, die menschliche Natur kann nicht fühllos sein, und Kut-al-Kulub war mir so teuer und ergötzte meine Seele so sehr, dass ich fürchte, nie eine andere Geliebte zu finden, die ihr an Schönheit und Trefflichkeit gleichkommt.” Der Wesir tröstete seinen Gebieter und brachte ihn endlich dahin, dass er sein Unglück mit einer Art von Entsagung ertrug.

Der Sultan und der Wesir gingen täglich hin und sahen den Fortschritt des neuen Gebäudes, von welchem sich die Nachricht in der ganzen Stadt verbreitete und endlich auch zu Kut-al-Kulub gelangte, die zu dem Fischer sagte: “Wir geben täglich unser Geld aus und nehmen nichts ein: Wie wär’s, wenn Du Beschäftigung bei dem Gebäude suchst, welches der Sultan errichten lässt? Man sagt, er sei freigebig, und Du kannst vielleicht Vorteil aus seiner Freigebigkeit ziehen.” Der Fischer erwiderte: “Meine teure Gebieterin, wie könnte ich die geringste Abwesenheit von Euch ertragen?”, denn er liebte sie; und sie, die es bemerkte, fürchtete oft, dass er ihr seine Liebe auf rohe Weise zu erkennen geben möchte: Aber die Erinnerung an das, was er durch die Tochter des Kaufmanns erlitten hatte, machte ihn vorsichtig. Sie versetzte: “Liebst Du mich wirklich?” – “Kannst Du daran zweifeln?”, entgegnete er, “Du bist mein Leben und meiner Augen Licht!” – “Wenn das wirklich der Fall ist,” rief sie aus, “so nimm dieses Halsband, und wenn Du bei der Arbeit an mich denkst, so betrachte es, und es wird Dich bis zu Deiner Heimkehr trösten.”

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