549. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
549. Nacht“Ach!”, antwortete die Prinzessin, “erinnere mich nicht an ein Vergehen, welches ich schon tausend Mal bereut habe, und wofür ich so lange und so gerecht bestraft worden bin! Verzeih mir, teurer Gatte,” fügte sie hinzu, indem sie sich zu seinen Füßen warf, “und vergiss das Unrecht, welches ich allein mir unaufhörlich vorwerfen muss.” Asem, erwicht, hub sie auf und drückte sie an sein Herz, zugleich mit seinen geliebten Kindern, und als die ersten Entzückungen ihrer Freude gestillt waren, beschäftigten sich alle beide mit den Mitteln, aus diesem ungastlichen Land zu entfliehen. Gegen Abend öffneten sich die Türen des Gefängnisses. Asem setzte seine Kappe wieder auf, und setzte sich unsichtbar in einen Winkel des Turmes. Die Schließerin trat herein, und brachte der Prinzessin ihren gewöhnlichen Unterhalt; und da sie in derselben Kammer zu schlafen pflegte, so aß sie bei ihr zum Abend, und schlief endlich fest ein. Asem benutzte eine so günstige Gelegenheit, näherte sich leise der grimmigen Schießerin, und nachdem er das Schlüsselbund, welches sie an ihrem Gürtel trug, abgelöst hatte, öffnete er behutsam die Türe des Turmes, und zog eilig seine Gattin und seine Kinder aus dieser trübseligen Wohnung, in welcher er die Schließer in selber verschloss. Sie machten sich eilig hinweg, und obwohl mit ihren beiden Kindern beschwert, wanderten sie dennoch die ganze Nacht hindurch mit solcher Schnelligkeit, dass sie bei Sonnenaufgang schon weit von der Stadt waren. Als die Königin die Flucht ihrer Schwester wahrnahm, geriet sie in unbeschreiblichen Zorn. Sie rief alle Geister ihrer Bekanntschaft zu Hilfe, die sich auch beeiferten, ihr zu gehorchen; und alsbald erhub sie sich mit einem zahllosen Heer zur Verfolgung der Flüchtigen, ganz entschlossen, sie in Stücke zu hauen. Asem, auf der Flucht, war ganz erstaunt, als er sich umsah, und hinter sich eine dicke Staubwolke erblickte. Er wurde von Schrecken ergriffen, als er das ungeheure Heer der Königin erkannte. Schon hörte er das Kriegsgeschrei, unterschied die Fahnen, und bei dem Blinken der feindlichen Lanzen vermochte er weder an Verteidigung zu denken, noch schnell genug zu entfliehen. Was konnte ihm auch sein Mut gegen ein so mächtiges Heer helfen? Er ergriff also seine Trommel, und ließ sie gewaltig ertönen, so dass auf der Stelle Legionen von Geistern die Ebene erfüllten, in einem Augenblick in Schlachtordnung geschart standen, und kühn dem Heer der Königin entgegen zogen. Hierauf erhob sich der furchtbarste Kampf, den man noch bis auf diesen Tag gesehen hatte, denn es waren nicht Menschen, sondern alle Geister der Erde, die gegen einander fochten. Die Streiter Asems errangen endlich den Sieg, und die Königin wurde mit ihrem Gefolge gefangen. Als Asems Gattin ihre Schwester in einer so demütigen Lage sah, beeilte sie sich, sie zu trösten, warf sich ihrem Gemahl zu Füßen, und bat für die Königin um Gnade. Asem beteuerte, er dächte an keine Rache, behandelte sie mit der ehrerbietigsten Schonung, und versprach ihr, all ihr Unrecht zu vergessen, wenn sie ihrer Schwester ihre ganze Zärtlichkeit wiederschenken wollte. Die Königin von Waak al Waak, innig gerührt durch ein so großmütiges Verfahren, fühlte in ihrer tiefsten Seele Vorwürfe aufsteigen. Sie stürzte ihrer Schwester in die Arme, und bat sie, ihre ungerechte und grausame Behandlung zu vergessen. Von Stund an wurde der Friede geschlossen, Freudenfeste wurden in beiden Lagern angestellt, und währten mehrere Tage hindurch. Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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