539. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
539. NachtSeine Fahrt war glücklich, er fand beim Ausstiegen and er Küste Kamele, die ihn erwarteten, denn die Prinzessinnen, welche in der Zauberkunst sehr erfahren waren, hatten zum voraus Kunde von seiner Ankunft und sich beeilt, ihm alles entgegen zu schicken, was zu seiner schleunigen Überkunft nach dem Palast nötig war. Sie empfingen ihn aufs zärtlichste, und die ganze Zeit, welche er bei ihnen blieb, wurde in Freudenfesten zugebracht. Einige Tage nach Asems Abreise, bat seine Gattin ihre Pflegemutter um die Erlaubnis, in die öffentlichen Bäder zu gehen. Die alte Frau gewährte es gern, und begleitete ihre Schwiegertochter in die Bäder, welche die vornehmsten Frauen der Stadt zu besuchen pflegten, wie die vom Hof des Kalifen Harun Arreschyd, welcher sich damals zu Balsora aufhielt. Als sie dort ankamen, befanden sich mehrere Frauen aus dem Gefolge der Sultanin Sobeïde im Bad. Sobald diese Asems Gattin erblickten, wurden sie von ihrer übernatürlichen Schönheit geblendet, und hörten nicht eher auf, sie zu bewundern, als bis sie das Bad wieder verließ. Einige sogar, die sich an dem Vergnügen ihres Anblicks nicht sättigen konnten, folgten ihr bis nach Hause, und kamen erst sehr spät in den Palast zurück. Als Sobeïde sie kommen sah, gab sie ihr Missvergnügen über ein so langes Außenbleiben zu erkennen, und wollte durchaus die Ursache davon wissen. Als sie nun eine so begeisterte Lobrede auf die Schönheit der Gattin Asems hörte, wurde sie äußerst begierig, diese zu sehen; und am folgenden Tag ließ sie die Mutter Asems zu sich entbieten, welche, durch einen solchen Befehl beunruhigt, sich zitternd zu der Sultanin begab. Sobald sie vor ihr erschien, warf sie sich nieder und küsste ihre Füße. “Steh auf Mutter Asems1),” sagte Sobeïde zu ihr, “und fürchte nichts. Ich habe Deine Schwiegertochter als ein solches Wunder von Schönheit rühmen gehört, dass ich sie zu sehen verlange, und ich befehle Dir, sie mir vorzuführen.” Die Mutter Asems wagte nicht, den Befehlen der Sultanin zu widersprechen, verneigte ehrfurchtsvoll ihr Haupt, und nachdem sie versprochen hatte zu gehorchen, küsste sie die Hand der Fürstin, und eilte nach Hause. “Die Sultanin Sobeïde will Dich sehen,” sagte sie zu ihrer Schwiegertochter, “beeile Dich zu ihr zu gehen.” Die Gattin Asems, entzückt über diese Neuigkeit, schmückte sich auf der Stelle mit ihren reichsten Kleidern, und in Begleitung ihrer beiden Kinder und ihrer Schwiegermutter, begab sie sich nach dem Palast. Als sie eintrat, richteten sich alle Blicke auf sie. Die Sultanin saß unbeweglich vor Erstaunen, und geblendet von so vielen Reizen, rief sie aus: “In welchem Land ist eine so himmlische Schönheit geschaffen worden?” Sie lud sie freundlich ein sich neben ihr zu setzen, und befahl Erfrischungen für sie zu bringen. Sie überhäufte sie mit Lobeserhebungen, und bat sie, ihre Geschichte zu erzählen, welche ihr Erstaunen noch vermehrte. “Fürstin,” sprach die Gattin Asems zu ihr, “da ihr mich schon in diesen Kleidern schön zu finden würdigt, was würdet ihr erst sagen, wenn ihr mich in meinem eigentümlichen Gewand säht? Wenn Ihr Eure Neugier befriedigen wollt, so befehlt meiner Schwiegermutter, mir mein Luftkleid zu geben. Sie wird nicht wagen, es Euch abzuschlagen, und es wird Euch vielleicht ein wundersames Schauspiel gewähren.” 1) Die Frauen im Morgenland, wenn sie Mütter sind, werden in der Anrede immer Am, Mutter, des und des genannt, d.h. ihres ältesten Sohnes, dessen Namen hinzugefügt wird. Haben sie nur Töchter, so wird ebenso der Name der ältesten beigefügt, z.B. Am Mirjem, Marien Mutter. Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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