529. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
529. NachtBald sprach man nur von der Freigebigkeit und den Reichtümern des Fremden. Der Ruhm seiner Wohltaten kam auch zu den Ohren des Königs. Dieser Fürst war erfreut, ins einem Königreich einen Mann zu haben, der so viel Gutes tat, und schickte einen von seinen Hofleuten hin und ließ ihn zu sich entbieten. Als dieser Abgesandte sich seiner Botschaft entledigt hatte, küsste Abutemam den Boden zum Zeichen des Gehorsams und antwortete, er würde den Befehlen des Königs Folge leisten. Sobald Abutemam sich wieder allein sah, machte er alle Anstalten, dem Befehl des Fürsten zu genügen; er nahm prächtige Geschenke mit und ließ sie dem König darbieten, der ihm sogleich Zutritt bewilligte und ihn mit allen Beweisen der Teilnahme und der Gewogenheit empfing. Er ließ ihn zu sich auf den Thron steigen, und als nach einer langen Unterhaltung Abutemam sich wieder entfernen wollte, sagte der König zu ihm, er wünschte ihn alle Tage zu sehen, und forderte von ihm das Versprechen, sein Verlangen zu erfüllen. Abutemam fügte sich seinen Wünschen, und in kurzer Zeit wurde er der Vertraute und innige Freund des Königs, der keinen Entschluss mehr fasste, ohne ihn zu Rate zu ziehen, und ihm seine geheimsten Gedanken anvertraute. Die Gunstbezeigungen verfehlten nicht, die Eifersucht der zehn Wesire des Königs zu erregen, die mit Verdruss ihren Herrn sein Vertrauen auf Abutemam übertragen sahen, welches er ihnen bisher geschenkt hatte; sie schworen seinen Untergang, und durch folgendes Mittel gedachten sie sich von dem unbequemen Günstling zu befreien. Der Chan der Tatarei hatte eine reizende Tochter, von welcher er sich nicht trennen wollte, und er ließ alle Gesandten hinrichten, welche um sie anzuhalten kamen. Sie verabredeten sich nun, vor dem König große Lobeserhebungen von dieser Prinzessin zu machen, um ihn zu vermögen, dem Abutemam eine Gesandtschaft an den Chan der Tatarei zur Bewerbung um seine Tochter aufzutragen. Als sie diesen Anschlag gemacht hatten, begaben sie sich insgesamt zum König. Einer der Wesire ließ geschickt die Unterhaltung auf die Tochter des Königs von Turkestan fallen und rühmte ihre Anmut und Schönheit; mit einem Wort, sie wussten es so zu drehen, dass der König sich in die Tochter des Königs der Tatarei verleibte und ihrem Rat zufolge den Entschluss fasste, Abutemam als Gesandten zu diesem Fürsten zu schicken, um die Hand der Prinzessin anzuhalten. Abutemam gehorchte seinem König, er machte alle Vorbereitungen zur Reise, und in kurzer Zeit hatte er die Hauptstadt des Königreiches erreicht, wohin er gesandt war. Er erhielt bald Gehör und eröffnete mit wenigen Worten den Zweck seiner Sendung. Der König der Tatarei antwortete ihm, die Bewerbung eines so großen Fürsten wäre ihm zwar sehr schmeichelhaft; “aber,” fügte er hinzu, “es wäre möglich, dass meine Tochter Eurem Herrn nicht anstände; geht also in meinen Harme, dort könnt Ihr sie sehen, mit ihr sprechen und danach ermessen, ob sie dem Fürsten gefallen werde, welcher Euch her sendet.” “Gott behüte mich,” erwiderte Abutemam, “dass ich es wagte, auf diejenige meine Augen zu richten, welche zur Gemahlin meines Herrn bestimmt ist. Wahrlich, wenn die Prinzessin seiner nicht würdig wäre, so würde die Vorsehung nicht gestattet haben, dass er in sie verliebt wurde.” Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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