499. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
499. NachtSeine Frau wollte ihn bereden, zu Pferde zu steigen, und eine Jagd gegen diese reißende Tier anzustellen, welches so viel Schaden stiftete. Aber Abu-Szaber antwortete Ihr: “Geduld, Geduld!” Bei allen Ereignissen des Lebens ist das der beste Rat. Der Löwe, der uns so viel Schaden tut, ist wild und bös: Früher oder später wird Gott, dessen Gerechtigkeit die Geißel der Bosheit ist, ihm schon seine Strafe zuschicken. Lass es uns abwarten.” Abu-Szaber hatte Recht: Einige Zeit danach wurde der Löwe von dem König getötet, welchem er auf einer Jagd begegnete. “Siehst Du,” sprach Abu-Szaber nun zu seiner Frau, “hatte ich Unrecht, zu behaupten, dass Gott immer die Bösen bestraft? Hätte ich mich mit dem Löwen in einen Kampf eingelassen, vielleicht wäre ich dabei umgekommen: Der König selber hat Mühe gehabt, ihn zu erlegen. Du siehst, wir haben wohl getan, zu warten.” Kurze Zeit danach wurde im Dorf ein Mensch ermordet. Der König ließ zur Bestrafung der Einwohner, welche den Schuldigen nicht nachweisen konnten, alle Häuser schleifen und plündern. Abu-Szaber verlor dabei den größten Teil seines Vermögens. “Wir müssen uns schleunigst beschweren,” sprach Abu-Szabers Gattin zu ihrem Mann. “Am Hof weiß alle Welt, dass Du unschuldig bist: Fordere vom König wieder, was Du verloren hast, und Du bist wohl sicher, es zu erhalten.” “Geduld, Geduld! Liebe Frau,” antwortete Abu-Szaber, “der König hat das Unrecht getan, der König wird auch dafür bestraft werden: Wer immer seinem Nächsten sein Eigentum nimmt, muss dereinst auch das seine verlieren.” Diese Rede vernahm ein neidischer Nachbar, der sogleich hinging und sie dem König hinterbrachte. Wütend über die Unverschämtheit Abu-Szabers, ließ dieser Fürst ihm nun auch alles wegnehmen, was ihm noch übrig geblieben war, und ihn aus seiner Pachtung vertreiben, samt seiner Gattin und seinen Kindern. “Da siehst Du’s,” sprach Abu-Szabers Frau, “habe ich es Dir nicht gesagt, dass Dein Zaudern und Dein Abwarten mit unserm Untergang enden werde? Da sind wir jetzt in einer schönen Lage, ohne Hilfsmittel, ohne Zufluchtsort!” “Geduld, Geduld, liebe Frau!”, antwortete stets unerschütterlich Abu-Szaber, “die Geduld findet früher oder später Ihren Lohn.” Indem er diese Worte aussprach, sah er eine Räuberbande über ihn und die Seinen herstürzen. Diese Räuber begnügten sich nicht, ihnen auch das Wenige zu nehmen, was ihnen noch übrig geblieben war, sie beraubten sie sogar ihrer Kleider, und führten zwei von Abu-Szabers Kindern mit weg. Da schrie seine Frau mit kläglicher Stimme: “Im Namen Gottes, mein lieber Mann, lauf diesen Räubern nach, und flehe ihr Mitleid an, weil Du nicht gegen sie streiten kannst! Siehst Du nicht, dass sie unsere Söhne wegschleppen?” “Geduld, liebe Frau!”, antwortete Abu-Szaber, “das Böse fällt stets auf seinen Urheber zurück, wenn ich diesen Räubern nachlaufe und einer von ihnen mich tötet, was soll aus Dir allein auf der Welt werden? Geduld! Sage ich Dir, das ist das einzige Mittel für unsere Leiden.” Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
|
![]()
Tags: 1001 Nacht, Märchen
Geschrieben in 1001 Nacht | Kein Kommentar bis jetzt
499. Nacht als PDF downloaden