479. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
479. NachtWährend des ersten Monats begegnete unsern Reisenden nichts Außergewöhnliches, aber endlich kamen sie an einen Scheideweg, wo drei Wege sich ihrem Auge darboten. In der Mitte war eine Pyramide errichtet, auf deren einer Seite man las: “Weg der Glückseligkeit”, auf einer andern: “Weg der Reue” und auf der dritten: “Wer diesen Weg einschlägt, kehrt vermutlich nie wieder”. Dies ist gerade der Weg, welchen ich nehmen will,” sprach der Prinz, als er diese letzte Inschrift gelesen hatte. Und sogleich befahl er seinen Leuten, ihm auf diesem Weg zu folgen. Sie zogen nun zwanzig Tage lang mitten durch tiefe Wälder, voll wilder Tiere und giftigen Gewürms. Mit jedem Schritt, den sie taten, schien das Land, welches sie durchreisen sollten, immer furchtbarer zu werden: Bald stellten sich Herden von brüllenden Löwen ihnen in den Weg, vor welchen sie sich nur dadurch schützen konnten, dass sie in dem Wald einen großen Brand rings um sich her anzündeten. Bald mussten sie schroffe Felsen von ungeheurer Höhe, und glatt wie Spiegel, überklimmen. In der Nacht erschienen tausend gespenstische Gestalten vor ihren Blicken, und der Tag, welchen sie mit Ungeduld erwarteten, ließ sie nur noch mehr das Grauenvolle dieser Gegend empfinden. Nachdem sie einer Menge von Gefahren getrotzt hatten, welchen der größte Teil seiner Leute erlag, kam der Prinz endlich an eine in Trümmern liegende und ganz unbewohnte Stadt. Er ließ hier seine Zelte aufschlagen. Und nachdem er seine Abwaschungen verrichtet und das Abendgebet gesprochen hatte, wollte er sich den Süßigkeiten des Schlafes überlassen, als plötzlich einer der Geister, welche in den verfallenen Gebäuden hausen, ihm erschien. “Ich grüße dich, König der Wüsten, mächtiger Herrscher,” sprach der Prinz zu ihm, indem er sich ehrfurchtsvoll verneigte, “sei willkommen!” Dieser Anrede fügte er noch andere schmeichelhafte und verbindliche Worte bei. Als der Prinz bemerkte, dass der Geist durch seinen ungeheuren Haarwuchs beschwert war, so nahm er seine Schere, und schnitt ihm die langen Locken ab, welche ihm über die Schultern hinab fielen, reichte ihm Wasser sich zu waschen, und bot ihm von den Vorräten, welche sich in seinem Zelt befanden. Der Geist war dankbar für diesen Empfang, und sprach zu ihm: “Hassan, deine Ankunft an diesem Ort verdammt mich zum Tod, aber sage mir, was ist denn die Absicht deiner Reise?” Der Prinz teilte ihm seine Abenteuer mit und sein Verlangen, das Reich der Kaffern zu besuchen. Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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