45. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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45. Nacht

Es war beinahe Tag, als Scheherasade die Geschichte des zweiten Kalenders folgendermaßen wieder aufnahm: “Gnädige Frau,” fuhr der Kalender fort, “da wir zehn Saumrosse, mit unserm Zeug und mit den Geschenken meines Vaters für den Sultan von Indien beladen, mit uns führten, und unser nur wenige waren, so könnt ihr wohl denken, dass die Räuber nicht säumten, uns anzufallen. Da wir nicht im Stande waren, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, so sagten wir ihnen, dass wir Gesandte des Sultans von Indien wären, und dass wir hofften, sie würden die ihm schuldige Ehrfurcht nicht verletzen. Wir glaubten dadurch unser Leben und unsre Habe zu retten; aber die Räuber antworteten uns trotzig: “Warum sollten wir Ehrfurcht haben vor dem Sultan, eurem Herrn? Wir sind nicht seine Untertanen; wir sind nicht einmal in seinem Lande.”

Indem sie dies sagten, umringten sie uns und griffen uns an. Ich verteidigte mich so lange als möglich, aber als ich mich verwundet fühlte, und sah, dass der Gesandte und seine und meine Leute schon alle zu Boden gestreckt lagen, benutzte ich die noch übrigen Kräfte meines auch schon verwundeten Pferdes, und entfloh ihnen. Ich spornte es so lange, als es mich tragen konnte: aber plötzlich versagte ihm die Kraft, und es stürzte vor Mattigkeit und Blutverlust stracktot unter mir nieder. Ich machte mich schleunig davon los; und als ich sah, dass niemand mich verfolgte, erkannte ich wohl, dass sie sich nicht hatten von der Beute trennen wollen, die sie gemacht hatten.

Bei dieser Stelle bemerkte Scheherasade, dass es Tag war, und war genötigt, inne zu halten.

“Ach, meine Schwester,” sagte Dinarsade, “ich bin recht ärgerlich, dass du diese Geschichte nicht weiter erzählen kannst.”

“Wenn du heute nicht so lange geschlafen hättest,” antwortete die Sultanin, “so hätte ich mehr davon erzählt.” -

“Schon gut,” begann Dinarsade wieder, “ich will morgen fleißiger sein, und hoffe, dass du die Neugier des Sultans für dasjenige entschädigen wirst, was meine Nachlässigkeit ihm entzogen hat.”

Schachriar stand auf, ohne ein Wort zu sagen, und ging an seine gewöhnlichen Beschäftigungen.”

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