439. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
439. Nacht“Herr, hier ist das heilsame Wasser, welches Euer Majestät in der Sammlung von Kostbarkeiten und Seltenheiten zu besitzen wünschte, die eine Zierde eurer Schatzkammer sind. Ich wünsche euch übrigens eine vollkommene Gesundheit, dass ihr niemals davon Gebrauch zu machen nötig habt.” Als der Prinz seine Anrede geendigt hatte, ließ der Sultan ihn zu seiner Rechten Platz nehmen und sagte dann zu ihm: “Mein Sohn, ich bin dir für dein Geschenk ebenso großen Dank schuldig als die Gefahr gewesen ist, welcher du dich mir zu Liebe ausgesetzt hast. (Er wusste dies nämlich durch die Zauberin, welche sowohl die Löwenquelle als auch die Gefahr, welcher man sich beim Schöpfen aus derselben aussetzen musste, sehr wohl kannte.) Tue mir jetzt den Gefallen,” fuhr er fort, “mir zu sagen, durch welche Geschicklichkeit oder durch welche unglaubliche Kraft du dich dagegen sicher gestellt hast?” “Herr,” erwiderte der Prinz Achmed, “ich habe an dieser Lobpreisung von Seiten Eurer Majestät nicht den mindesten Anteil, sondern das Lob gebührt ganz allein meiner Gemahlin, der Fee, und ich kann mir hierbei bloß den Ruhm beimessen, dass ich ihrem guten Rat gefolgt bin.” Hierauf setzte er ihm auseinander, worin diese guten Ratschläge bestanden hätten, indem er ihm die ganze Reise, die er gemacht, und wie er sich dabei benommen, erzählte. Als er damit zu Ende war, stand der Sultan, der ihn mit den größten Freudenbezeugungen, doch innerlich mit derselben, ja mit noch größerer Eifersucht angehört hatte, von seinem Sitz auf, und zog sich in das Innere seines Palastes zurück, wo die Zauberin, nach welcher er sogleich geschickt hatte, vor ihn geführt wurde. Die Zauberin, als sie kam, ersparte dem Sultan die Mühe, ihr die Geschichte des Prinzen Achmed und den Erfolg seiner Reise zu erzählen. Sie war nämlich durch das Gerücht, das sich davon verbreitet hatte, gleich anfangs davon unterrichtet worden, und hatte bereits ein, wie sie meinte, unfehlbares Mittel ausgedacht. Sie teilte dies Mittel dem Sultan und den folgenden Tag in der Versammlung seiner Hofleute mit, und der Sultan zeigte es dem Prinzen Achmed mit folgenden Worten an. “Mein Sohn, ich habe nur noch eine einzige Bitte an dich, nach dieser will ich dann nichts mehr von deinem Gehorsam, noch von deiner Gemahlin, der Fee, verlangen. Diese Bitte besteht darin, dass du mir einen Mann herbeischaffst, der nicht über anderthalb Fuß hoch ist, einen Bart von dreißig Fuß Länge hat, und der auf der Schulter eine fünfhundert Pfund schwere Eisenstange trägt, die ihm als Stab dient, und welcher reden kann.” Der Prinz Achmed, welcher nicht glauben konnte, dass es auf der Welt einen Menschen gäbe, der so wäre, wie sein Vater ihn verlangte, wollte sich entschuldigen, doch der Sultan blieb bei seiner Forderung, indem er ihm wiederholte, dass die Fee noch weit unglaublichere Dinge vermöge. Den folgenden Tag, als der Prinz in das unterirdische Reich der Fee zurückgekehrt war, teilte er derselben das neue Begehren seines Vaters mit, welches er, wie er ihr sagte, für noch unmöglicher zu erfüllen hielt, als die beiden früheren. “Was mich anbetrifft,” fuhr er fort, “so kann ich mir nicht denken, dass es irgend in der Welt Leute der Art geben könnte. Er will ohne Zweifel versuchen, ob ich wohl so einfältig sein werde, mir viel Mühe zu geben, um ihm einen solchen aufzufinden, oder wenn es dergleichen gibt, so muss er die Absicht haben, mich zu Grunde zu richten. In der Tat, wie kann er auch verlangen, dass ich mich eines so kleinen Menschen, der auf die besagte Art bewaffnet ist, bemächtigen solle? Welcher Waffen könnte ich mich bedienen, um ihn zu zwingen, dass er sich meinem Willen füge? Wenn es irgend ein Mittel gibt, so bitte ich euch, dass ihr mir ein solches an die Hand gebt, um mich mit Ehren aus diesem Handel zu ziehen.” Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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