429. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
429. NachtDer Prinz Hussain war auch noch Zuschauer eines feierlichen Festes, das alle Jahre am Hof von Bisnagar begangen wird, und bei welchem die Statthalter der Provinzen, die Befehlshaber der festen Plätze, die Vorsteher und Richter der einzelnen Städte, und die durch ihre Gelehrsamkeit berühmtesten Brahmanen sich einfinden müssen. Einige derselben kommen so weit her, dass sie zu ihrer Reise dahin nicht weniger als vier Monate brauchen. Die Versammlung, die aus einer unzähligen Menge von Indern besteht, kommt in einer ungeheueren Ebene zusammen, wo sie, so weit das Auge reicht, einen überraschenden Anblick gewährt. In der Mitte dieser Ebene befand sich ein sehr langer und breiter Platz, der auf der einen Seite durch ein prächtiges Gebäude in Form eines Gerüstes begrenzt war, welches neun Stockwerke hatte, von vierzig Säulen getragen wurde und für den König, für den Hof und für die Fremden, die er wöchentlich einmal vor sich ließ, bestimmt war. Im Innern war es prächtig geschmückt und möbliert, und von außen mit Landschaften bemalt, worin man alle Arten von Tieren, Vögeln, Insekten und selbst von Fliegen und Mücken ganz nach der Natur gekleidet sah. Die drei übrigen Seiten des Platzes waren von andern Gerüsten eingefasst, die wenigstens vier bis fünf Stockwerke hatten, und deren eines beinahe so wie das andere gemalt war. Diese Gerüste hatten das Eigentümliche, dass man sie von Zeit zu Zeit herumdrehen, und dadurch ihr Ansehen und ihre Verzierungen verändern konnte. Auf beiden Seiten des Platzes waren in geringen Entfernungen voneinander tausend Elefanten in den kostbarsten Harnischen aufgestellt, deren jeder einen viereckigen Turm aus vergoldetem Holz trug, worin sich Tonspieler oder Tänzer befanden. Der Rüssel, die Ohren und der übrige Körper dieser Elefanten waren mit Zinnober und anderen Farben bemalt, welche die seltsamsten Gestalten vorstellten. Bei diesem ganzen Schauspiel flößte dem Prinzen nichts so hohe Bewunderung für die Betriebsamkeit, Geschicklichkeit und den Erfindungsgeist der Inder ein, als ein sehr großer und mächtiger Elefant, der mit seinen vier Füßen oben auf einem senkrecht aufgerichteten, zwei Fuß hohen Ständer stand, und mit seinem Rüssel nach dem Takt der Musik in der Luft herum focht. Eben so bewunderte er einen andern nicht minder gewaltigen Elefanten, der auf dem einen Ende eines Balkens stand, der quer über einen zehn Fuß hohen Ständer gelegt und an dessen anderem Ende ein ungeheurer Stein als Gegengewicht befestigt war, so dass er vermittelst desselben bald höher, bald tiefer vor dem König und dem ganzen Hof durch die Bewegungen seines Körpers und Rüssels, gleich dem vorigen Elefanten, den Takt der Musik angab. Die Inder hatten nämlich, so wie sie den Stein als Gegengewicht angebunden, das gegenüberstehende Ende zur Erde herab gebogen, und den Elefanten hinauf treten lassen. Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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