269. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


269. Nacht als PDF downloaden


269. Nacht

Gedrungen, dem Willen des Königs von Persien nachzugeben, zog Saleh von seinem Finger einen Ring, auf welchem dieselben geheimnisvollen Namen Gottes eingegraben waren, wie auf dem Siegelring des Propheten Salomon, und deren Kraft so viele Wunder gewillt hatten. Diesen überreichte er ihm, und sprach dabei: “Nimm diesen Ring, stecke ihn an deinen Finger, und fürchte weder die Fluten noch die Tiefe des Meeres.”

Der König von Persien nahm den Ring, und als er ihn an den Finger gesteckt hatte, fuhr der König Saleh fort: “Mach es, wie ich!”

Zu gleicher Zeit erhuben sich beide leicht in die Luft, schwebten nach dem Meere zu, und tauchten darin hinab.

Der Meerkönig brauchte nicht viel Zeit, um mit dem König, seinem Neffen, in seinen Palast zu kommen. Er führte ihn zuerst in die Wohnung der alten Königin, der er ihn vorstellte. Der König von Persien küsste die Hand der Königin, seiner Großmutter, und diese umarmte ihn mit herzlicher Freude. “Ich frage dich nicht nach deinem Befinden,” sprach sie zu ihm, “ich sehe, dass du wohlauf bist, und bin erfreut darüber, aber ich bitte dich, sage mir, was macht die Königin Gülnare, deine Mutter und meine Tochter?”

Der König von Persien hütete sich wohl, ihr zu sagen, dass er abgereist wäre, ohne Abschied von ihr zu nehmen. Er versicherte sie im Gegenteil, dass er sie bei vollkommener Gesundheit verlassen, und sie ihm viele Grüße an sie aufgetragen hätte.

Die Königin stellte ihm hierauf die Prinzessinnen vor, und während sie ihm Zeit ließ, sich mit ihnen zu unterhalten, ging sie mit dem König Saleh in ein anderen Zimmer, und dieser erzählte ihr die Liebe des Königs von Persien zu der Prinzessin Giäuhare, auf das bloße Hörensagen von ihrer Schönheit, und wider seine Absicht. Er fügte hinzu, dass er ihn mitgebracht, weil er es sich nicht hätte erwehren können, und dass er eben auf Mittel sänne, um sie ihm zur Gemahlin zu verschaffen.

Obwohl der König Saleh, eigentlich gesprochen, unschuldig an der Leidenschaft des Königs von Persien war, so wusste gleichwohl die Königin es ihm wenig Dank, dass er von der Prinzessin Giäuhare in seiner Gegenwart mit so wenig Vorsicht gesprochen hätte. “Deine Unbesonnenheit,” sprach sie zu ihm, “ist unverzeihlich. Machst du dir Hoffnung, dass der König von Samandal, dessen Gemütsart dir so bekannt ist, mehr Achtung für dich haben wird, als für so viel andere Könige, denen er seine Tochter mit so auffallender Verachtung abgeschlagen hat? Willst du dich von ihm mit derselben Beschämung heimschicken lassen?”

“Frau Mutter,” erwiderte der König Saleh, “ich habe euch schon bemerkt gemacht, dass der König, mein Neffe, wider meine Absicht gehört hat, was ich meiner Schwester von der Schönheit der Prinzessin Giäuhare erzählte. Das Versehen ist nun einmal geschehen, und wir müssen jetzt nur bedenken, dass er sie leidenschaftlich liebt, und dass er vor Betrübnis und Schmerz sterben wird, wenn wir sie ihm nicht verschaffen, auf welche Wiese es nun auch sei. Ich darf nichts hierbei versäumen, weil ich es bin, der, obgleich unschuldig, dieses Übel gestiftet hat, und ich werde alles, was in meiner Macht steht, anwenden, um ein Mittel dafür zu finden. Ich hoffe, Frau Mutter, ihr werdet meinen Entschluss billigen, selber mit einem reichen Geschenk aus Edelgesteinen zu dem König von Smandal zu gehen und um die Prinzessin, seine Tochter, für den König von Persien, euren Enkel, anzuhalten. Ich habe einiges Vertrauen, dass er sie mir nicht abschlagen, sondern es annehmlich finden wird, mit einem der mächtigsten Monarchen der Erde in Verbindung zu treten.”

“Es wäre zu wünschen,” entgegnete die Königin, “dass wir nicht in der Notwendigkeit wären, diesen Antrag zu machen, von welchem wir keines so glücklichen Erfolges, als wir ihn wünschen, versichert sind. Da es aber die Ruhe und Zufriedenheit des Königs, meines Enkels, gilt, so gebe ich dazu meine Einwilligung. Vor allen Dingen bitte ich dich, weil du die Denkungsart des Königs von Samandal kennst, sei auf deiner Hut, und sprich zu ihm mit aller ihm gebührenden Achtung und auf eine so verbindliche Weise, dass er sich nicht darüber beleidigt dünke.”

Die Königin bereitete selber das Geschenk, setzte es aus Diamanten, Rubinen, Smaragden und Perlenschnüren zusammen, und tat es in einer sehr reiches und zierliches Kästchen.

Am folgenden Morgen beurlaubte sich Saleh von ihr und dem König von Persien, und reiste ab mit einem nicht zahlreichen Gefolge seiner Offiziere und Leute. Bald erreichte er das Königreich, die Hauptstadt und den Palast des Königs von Samandal. Dieser säumte nicht, ihn vor sich zu lassen, sobald er seine Ankunft vernommen hatte. Er erhub sich, als er ihn eintreten sah, von seinem Thron. Der König Saleh, der gern auf einige Augenblicke vergessen wollte, wer er war, warf sich ihm zu Füßen, indem er ihm die Erfüllung alles dessen wünschte, was sein Herz nur begehrte.

Der König von Samandal bückte sich alsbald, um ihn aufzuheben, und nachdem er ihn neben sich hatte Platz nehmen lassen, hieß er ihn willkommen, und fragte ihn, ob er ihm in irgend etwas dienen könnte.

“Herr,” antwortete der König Saleh, “wenn mein Besuch auch keinen anderen Beweggrund hätte, als um einem der mächtigsten Fürsten der Welt, der sich durch seine Weisheit und Tapferkeit so glänzend auszeichnet, meine Ehrfurcht zu bezeigen, so würde dies jedoch immer nur ein schwacher Ausdruck derselben für Euer Majestät sein. Könntet ihr aber bis auf den Grund meines Herzens schauen, so würdet ihr die große Verehrung erkennen, von welcher es für euch erfüllt ist, und das heiße Verlangen, welches ich hege, euch meine Ergebenheit zu bezeugen.”

Mit diesen Worten nahm er das Kästchen aus den Händen eines seiner Leute, öffnete es, und bat den König, indem er es ihm darbot, es freundlich anzunehmen.

“Prinz,” erwiderte der König von Smandal, “ihr macht mir nicht ein so bedeutendes Geschenk, ohne ein demselben entsprechendes Gesuch an mich zu haben. Ist es etwas, das von meiner Macht abhängt, so werde ich mir ein großes Vergnügen daraus machen, es euch zu bewilligen. Redet, und sagt mir frei heraus, worin ich euch dienen kann.”

“Es ist wahr, Herr,” fuhr der König Saleh fort, “dass ich Euer Majestät um eine Gnade anzusprechen habe, und ich würde mich wohl hüten, diese Bitte zu tun, wenn ihre Gewährung nicht in eurer Macht stünde. Ja, sie hängt so gänzlich von euch allein ab, dass ich jeden andern vergeblich darum ansprechen würde. Ich bitte euch also aufs inständigste darum, und flehe euch, sie mir nicht abzuschlagen.”

“Wenn dem so ist,” erwiderte der König von Smandal, “so habt ihr mir nur zu eröffnen, was es ist, und ihr sollt sehen, wie dienstfertig ich sein kann, wenn ich es vermag.”

“Herr,” sagte nun der König Saleh, “nach dem Vertrauen, welches Euer Majestät mir auf euer Wohlwollen zu geben geruht, will ich es nicht länger verhehlen, dass ich mit der Bitte komme, uns durch eine Vermählung der Prinzessin Giäuhare, euer verehrten Tochter mit eurer Verbindung zu ehren, und dadurch das gute Einverständnis zu befestigen, welches die beiden Reiche seit so langer Zeit vereinigt.”

Bei dieser Rede brach der König von Samandal in ein lautes Gelächter aus, indem er sich auf das Kissen, woran er den Rücken lehnte, zurück sinken ließ, auf eine für den König Saleh höchst beleidigende Weise. “König Saleh,” sprach er zu ihm mit verächtlichem Ton, “ich hatte mir eingebildet, ihr wärt ein Fürst von gesundem Verstand, klug und bedachtsam, aber eure Rede gibt mir zu erkennen, wie sehr ich mich getäuscht habe. Sagt mir, ich bitte euch, wo hattet ihr eure Besinnung, als ihr euch ein solches Hirngespinst in den Kopf setztet, wie das ist, wovon ihr eben zu mir geredet habt? Wie hat es euch nur im Traum einfallen können, an die Vermählung mit der Prinzessin Tochter eines so großen und mächtigen Königs zu denken, als ich bin? Ihr hättet zuvor besser den großen Abstand zwischen euch und mir ermessen, und nicht in einem Augenblick die Achtung wieder vernichten sollen, welche ich für euch hegte.”

Der König Saleh ward durch eine so schimpfliche Antwort äußerst beleidigt, und er hatte viel Mühe, seinen gerechten Zorn zurückhalten. “Möge Gott, Herr,” antwortete er mit aller möglichen Mäßigung, “Euer Majestät nach Verdienst vergelten!

Ich muss aber die Ehre haben, euch zu sagen, dass ich eure Prinzessin Tochter nicht für mich zur Ehe begehre. Wäre dies, so würde ich, weit entfernt, dass Euer Majestät oder die Prinzessin selber sich dadurch beleidigt wähnen dürfte, dem einen wie der andern viel Ehre zu erweisen glauben. Euer Majestät weiß recht wohl, dass ich einer der Meerkönige bin, wie ihr, dass die Könige, meine Ahnherren, keinem der übrigen Königsgeschlechter an Alter weichen, und dass mein von ihnen ererbtes Königreich nicht minder blühend und mächtig ist, als zu ihren Zeiten. Wenn ihr mich nicht unterbrochen hättet, so würdet ihr bald vernommen haben, dass die Gnade, warum ich euch bitte, nicht mich betrifft, sondern den jungen König von Persien, als seine persönlichen Eigenschaften, euch nicht unbekannt sein können. Alle Welt erkennt an, dass die Prinzessin Giäuhare die schönste Jungfrau unter dem Himmel ist: Aber nicht minder wahr ist, dass der junge König von Persien der wohl gebildetste und vollkommenste Prinz auf Erden und in allen Reichen des Meeres ist: Darüber sind die Stimmen durchaus nicht geteilt. Da also mein Antrag nur zum großen Ruhme Euer Majestät und der Prinzessin Giäuhare gereichen kann, so dürft ihr nicht zweifeln, dass eure Einwilligung in eine so angemessene Verbindung allgemeiner Beifall begleiten werde. die Prinzessin ist des Königs von Persien würdig, und der König von Persien ist nicht minder ihrer würdig: Es gibt keinen König, noch Fürsten auf der Welt, welcher ihm solches streitig machen könnte.”

Der König von Samandal würde dem König Saleh nicht Muße gegeben haben, so lange zu reden, wenn die Wut, worin er dadurch versetzt wurde, es ihm gestattet hätte. Er saß noch eine Weile, nachdem Saleh schon geendigt hatte, ohne ein Wort hervorzubringen, so sehr war er außer sich selber. Endlich brach er in wilde und eines so großen Königs unwürdige Schimpfreden aus. “Du Hund,” schrie er, “du wagst es, diese Rede gegen mich zu führen und den Namen meiner Tochter vor mir auch nur auszusprechen? Wer bist du denn? Wer war dein Vater? Wer ist deine Schwester, und wer ist dein Neffe? War sein Vater nicht ein Hund, und eines Hundes Sohn, wie du? Man ergreife den Unverschämten und haue ihm den Kopf ab.”

Die kleine Anzahl von Offizieren, die um den König von Samandal waren, setzten sich in Bereitschaft, zu gehorchen, aber da der König Saleh in voller Kraft seines Alters, rasch und gewandt war, so entkam er, bevor sie die Säbel gezogen hatten, und gewann die Türe des Palastes, wo er tausend wohl bewaffnete und berittene Mann seiner Verwandten und seines Hauses fand, die soeben angekommen waren.

Die Königin, seine Mutter, hatte bedacht, dass er nur so wenig Leute mit sich genommen hätte, und da ihr der üble Empfang ahnte, welchen der König von Samandal ihm bereiten könnte, so hatte sie diese Schar gesendet und ihr die größte Eile empfohlen. Diejenigen seiner Verwandten, die an der Spitze standen, waren sehr froh, noch zur rechten Zeit angelangt zu sein, als sie ihn so mit seinen Leuten in großer Verwirrung herauskommen und verfolgt sahen.

“Herr,” riefen sie, sobald er bei ihnen war, “was gibt es? Wir sind bereit, euch zu rächen: Ihr dürft nur befehlen!”

Der König Saleh erzählte ihnen in wenig Worten den Vorgang, stellte sich an die Spitze einer starken Schar, während die übrigen an der Türe blieben, deren sie sich bemächtigten, und kehrte auf der Stelle wieder um. Da die wenigen Offiziere und Wachen, die ihn verfolgt, sich zerstreut hatten, trat er wieder in das Zimmer des Königs von Samandal, der alsbald von den Seinen verlassen, und nun festgenommen wurde. Der König Saleh ließ Mannschaft genug bei ihm, um sich seiner Person zu versichern, und ging von Zimmer zu Zimmer, um das der Prinzessin Giäuhare zu suchen.

Aber gleich auf den ersten Lärm hatte sich diese Prinzessin mit den Frauen, die um sie waren, auf die Oberfläche des Meeres emporgeschwungen, und sich auf eine wüste Insel geflüchtet.

Während diese Dinge im Palast des Königs von Samandal vorgingen, setzten diejenigen von des Königs Saleh Gefolge, welche gleich bei den ersten Drohungen die Flucht ergriffen hatten, die Königin Mutter in große Unruhe, indem sie ihr die Gefahr verkündigten, in welcher sie ihn verlassen hatten.

Der junge König Beder, der bei ihrer Ankunft gegenwärtig war, wurde um so mehr dadurch beunruhigt, da er sich als die erste Ursache alles des Übels ansah, welches daraus entstehen konnte. Er hatte nicht Mut genug, den Anblick der Königin, seiner Großmutter zu ertragen, weil er den König Saleh seinetwegen in so großer Gefahr wusste. Während er sie beschäftigt sah, die Befehle zu erteilen, welche sie unter diesen Umständen für nötig erachtete, schwang er sich aus der Tiefe des Meeres empor. Da er nicht wusste, auf welchem Weg er nach dem Königreich Persien heimkehren sollte, so flüchtete er sich auf dieselbe Insel, auf welche die Prinzessin Giäuhare sich gerettet hatte.

Ganz außer sich, setzte er sich am Fuß eines großen Baumes nieder, welcher von mehreren kleinen umgeben war. Indem er sich hier wieder sammelte, hörte er sprechen: Er horchte sogleich hin, weil er aber ein wenig zu entfernt war, um etwas von dem zu verstehen, was gesprochen wurde, so stand er auf und näherte sich ohne Geräusch dem Ort, woher die Stimmen kamen, und erblickte durch das Laub eine Schönheit, von welcher er geblendet wurde.

“Ohne Zweifel,” sagte er bei sich selber, indem er still stand, und sie mit Bewunderung betrachtete, “ist dies die Prinzessin Giäuhare, welche vielleicht der Schreck gezwungen hat, den Palast des Königs, ihres Vaters, zu verlassen, und wenn sie es nicht ist, so verdient diese doch nicht minder, dass ich sie von Herzen liebe.”

Er weilte nicht länger, sondern trat hervor, und indem er sich der Prinzessin mit vieler Ehrerbietung näherte, sprach er zu ihr: “Edles Fräulein, ich kann dem Himmel nicht genug danken für die Gunst, welche er mir heute erzeigt, indem er meinen Augen das Schönste darbietet, auf welches er nieder blickt.

Es könnte mir kein größeres Glück begegnen, als die Gelegenheit, euch meine Dienste darzubieten. Ich bitte euch, edles Fräulein, sie anzunehmen: Eine Person, wie ihr, befände sich nicht in dieser Einöde, wenn sie keiner Hilfe bedürfte.”

“Es ist wahr, mein Herr,” antwortete die Prinzessin Giäuhare mit trauriger Mine, “dass es eher ungewöhnlich für eine Frau meines Standes ist, sich in einer solchen Lage zu befinden. Ich bin eine Prinzessin, Tochter des Königs von Samandal, und nenne mich Giäuhare. Ich saß ruhig in meiner Wohnung, als ich plötzlich einen erschreckenden Lärm hörte. Man kam, mir zu verkündigen, dass der König Saleh, ich weiß nicht aus welchem Grunde, den Palast gestürmt und sich meines Vaters bemächtigt, nachdem er alle diejenigen von seiner Wache, welche ihm Widerstand geleistet, niedergemacht hätte. Ich hatte nur noch so viel Zeit, zu entfliehen und hier einen Zufluchtsort vor seiner Gewalttätigkeit zu suchen.”

Bei der Erzählung der Prinzessin geriet der König Beder in Verwirrung, dass er die Königin, seine Großmutter, so voreilig verlassen hatte, ohne über die gebrachte Nachricht nähere Aufklärung abzuwarten. Er freute sich aber, dass der König, sein Onkel, sich der Person des Königs von Samandal bemeistert hatte: Denn er zweifelte nicht, dass dieser ihm nun für seine Freiheit die Prinzessin bewilligen würde.”

“Anbetungswürdige Prinzessin,” erwiderte er, “euer Schmerz ist sehr gerecht, aber es ist leicht, ihn, zugleich mit der Gefangenschaft eures Vaters, zu heben. Ihr werdet mir beistimmen, wenn ihr erfahrt, dass ich mich Beder nenne, König von Persien bin, und der König Saleh mein Onkel ist. Ich kann euch wohl versichern, dass dieser keineswegs die Absicht hat, sich der Staaten eures Vaters zu bemächtigen. Er hat keinen andern Zweck als mir das Glück zu verschaffen, dass ich sein Schwiegersohn werde, indem ich euch aus seiner Hand zur Gemahlin empfange. Ich hatte schon auf die Schilderung von eurer Schönheit und euren Reizen, euch mein Herz gewidmet. Weit entfernt, dass es mich gereue, bitte ich euch nun, es anzunehmen und überzeugt zu sein, dass es immer für euch brennen wird. Ich wage zu hoffen, ihr werdet es nicht ausschlagen, sondern bedenken, dass ein König, der sein Reich einzig deshalb verlassen hat, um es euch darzubieten, einige Erkenntlichkeit verdiene. Erlaubt also, schönste Prinzessin, dass ich die Ehre habe, euch meinem Onkel vorzustellen. Der König, euer Vater, wird nicht sobald seine Einwilligung zu unserer Vermählung gegeben haben, als er ihn wieder seine Staaten beherrschen lassen wird, wie zuvor.”

Die Erklärung des Königs Beder brachte nicht die Wirkung hervor, welche er davon erwartet hatte. Als die Prinzessin ihn erblickte, hatte er ihr bei seiner guten Miene, seiner Bildung, und dem edlen Anstand, womit er sich ihr nahte, anfangs nicht missfallen. Aber sobald sie von ihm selber vernommen, dass er die Ursache der üblen Behandlung wäre, welche ihr Vater jetzt eben erfahren hatte, so ließ sie ihr Schmerz darüber, und die Furcht, welche sie gezwungen hatte die Flucht zu ergreifen, ihn als einen Feind betrachten, mit welchem sie keine Gemeinschaft haben dürfte. Überdies, wie geneigt sie selber auch sein mochte, in die von ihm gewünschte Vermählung zu willigen, so erkannte sie doch wohl, dass ihr Vater diese Verbindung unter andern auch aus dem Grunde verwerfe weil der König Beder von einem Landkönig abstammt, und war entschlossen, sich in diesem Stück gänzlich seinem Willen zu unterwerfen. Gleichwohl wollte sie nichts von ihrem Unmut merken lassen. Sie sann nur auf ein Mittel, sich geschickt aus den Händen des Königs Beder zu befreien. Indem sie sich stellte, als ob sie ihn mit Vergnügen ansähe, sprach sie zu ihm mit aller möglichen Höflichkeit:

“Herr, ihr seid also ein Sohn der durch ihre außerordentliche Schönheit so berühmten Königin Gülnare? Ich freue mich sehr, in euch einen ihrer so würdigen Prinzen zu sehen. Der König, mein Vater, hat sehr Unrecht, sich so heftig unserer gegenseitigen Verbindung zu widersetzen. Sobald er euch aber nur sieht, wird er nicht länger anstehen, uns beide glücklich zu machen.” Indem sie diese Worte sagte, reichte sie ihm die Hand.

Der König Beder wähnte sich schon auf dem Gipfel seines Glücks. Er streckte seine Hand aus, fasste die Hand der Prinzessin, und bückte sich, um sie ehrfurchtsvoll zu küssen.

Die Prinzessin ließ ihm aber nicht Zeit dazu. “Verwegener,” sprach sie zu ihm, indem sie ihn zurückstieß und ihm ins Gesicht spie, weil sie kein Wasser bei der Hand hatte, “verlass diese Menschengestalt, und nimm die Gestalt eines weißen Vogels an, mit rotem Schnabel und roten Füßen!”

Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.

Tags: ,

Geschrieben in 1001 Nacht | Kein Kommentar bis jetzt

Trackback URI |